Stiftung Sozialwerk St. Georg

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Auffälligkeiten in der Kommunikation

Rezeptive Kommunikation

Verarbeitung verbaler Informationen

Generell haben Menschen mit Autismus Schwierigkeiten, verbale Informationen zu verarbeiten und zu verstehen. Sprache ist abstrakt und flüchtig, beides Aspekte, die ihnen Probleme bereiten. Ihre verzögerte Informationsverarbeitung kann mit der Sprechgeschwindigkeit nicht Schritt halten, vor allem dann nicht, wenn zuviel Information auf einmal gegeben wird. Kurze, prägnante Sätze sind für sie am verständlichsten. Auch die beim Erlernen neuer Kompetenzen sonst so hilfreiche Verknüpfung von Handeln und begleitenden verbalen Erläuterungen kann bei autistischen Personen zu einer zusätzlichen Verwirrung führen, weil sie die gleichzeitige Verarbeitung auf zwei Informationskanälen, dem akustischen und dem visuellen, verlangt.

Verständnis im Situationszusammenhang

Das Verstehen einer Aufforderung oder Bitte basiert bei ihnen häufig auf dem Situationszusammenhang. Nicht die Worte geben die Information, sondern vor allem die visuellen (und sonstigen) Reize, die mit der Situation verknüpft sind und ihr aus Sicht der autistischen Person Bedeutung verleihen.

Wortwörtliches Verstehen

Auffällig ist auch die Wortwörtlichkeit, mit der verbale Äußerungen verstanden werden. Das, was hinter den Worten liegt bzw. „zwischen den Zeilen steht“, was also nicht direkt gesagt wird, aber eigentlich gemeint ist, ist für Personen mit Autismus nur schwer zu entschlüsseln. Entsprechend haben sie auch große Probleme, ironische Bemerkungen oder Witze als solche zu verstehen. 
Generell unterliegt die Fähigkeit, Sprache zu verstehen, starken Schwankungen, was grundsätzlich für die Verarbeitung jeglicher Information gilt.

Expressive Kommunikation

Im Hinblick auf die aktive Kommunikation ist zunächst festzustellen, dass etwa die Hälfte der Menschen mit Autismus gar nicht bzw. nicht mehr spricht. Im Unterschied zu nicht verbalen Personen ohne Autismus versuchen sie jedoch nicht, diesen Mangel an Sprache durch nonverbale Mittel wie Mimik oder Gestik zu kompensieren. Und auch diejenigen, die über ausreichende sprachliche Kompetenzen verfügen, weisen doch große Probleme mit der Kommunikation auf. So haben sie oft große Schwierigkeiten, eigene Bedürfnisse mitzuteilen. Autistischen Menschen scheint nicht immer die „Macht der Kommunikation“ bewusst zu sein, sie müssen diese erst noch erlernen. Kommunikation im Alltag dient im Wesentlichen zwei Zielsetzungen: zum einen der Befriedigung eigener Bedürfnisse, dies am ausgeprägtesten im Bitten, Fordern oder Ablehnen, und zum anderen dem sozialen Kontakt, in seiner Reinform im Smalltalk. Der Einsatz von Sprache oder anderen Mittel mit dem Ziel, die Befriedigung eines Bedürfnisses zu erlangen, setzt voraus, dass Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge verstanden werden, aber diese Zusammenhänge zu erfassen ist für autistische Menschen, zumal für diejenigen mit einer stärkeren intellektuellen Beeinträchtigung, oft sehr schwer. Die verschiedenen Ereignisse werden eher losgelöst und unabhängig voneinander betrachtet. Und der Wunsch, mit anderen Menschen nur um des Kontaktes willen in Kontakt zu treten, ist bei vielen Menschen mit Autismus nur gering bis gar nicht vorhanden, so dass auch die entsprechende Motivation zur Kommunikation gering ist.

Wechselseitigkeit

Wenn sie ein gutes Sprachvermögen besitzen, so werden andere Personen zwar gern als Zuhörer betrachtet, aber ein wirkliches Gespräch, in dem die Rollen von Erzähler und Zuhörer wechseln und beide Seiten aufeinander eingehen, findet meist nicht statt. Auch hier fehlt die Wechselseitigkeit. Die autistische Person scheint nicht zu bemerken, ob ihr Gegenüber an dem Thema interessiert ist oder sich langweilt. Dies kommt dadurch besonders zum Tragen, weil sie zudem oft ausgeprägte Spezialinteressen und damit nur eine eingeschränkte Themenauswahl zeigen.

Sprachliche Stereotypien und Echolalie

Weitere Auffälligkeiten in der Sprache sind stereotype Äußerungen, die nicht immer der Situation angemessen scheinen, eigene, ungewöhnliche Wortschöpfungen, häufiges Fragen und Echolalie. Dabei kann es sich um unmittelbare Echolalie handeln, also dem sofortigen Wiederholen des Gehörten, oder um verzögerte Echolalie, dem Wiederholen von Gehörtem in einer späteren Situation, die für die autistische Person mit der ursprünglichen Situation in Zusammenhang steht. Echolalie ist in der Regel kein sinnloses Nachplappern, sondern hat einen kommunikativen Aspekt, der aber für Außenstehende nicht immer zu erschließen ist.

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Internationale Fachtagung

22.-23.05.2019

Autismus und Beziehungen - Unterschiedliche Perspektiven

Autism and Relationships - Different Perspectives

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.