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Low Arousal-Ansatz

Mit dem so genannten „Low Arousal-Ansatz“ versucht Studio3, den Zirkel von herausforderndem Verhalten durch Klienten auf der einen Seite und Angst und Hilflosigkeit von Mitarbeitenden auf der anderen Seite zu durchbrechen. Das Ziel ist es, Deeskalation und Spannungsreduktion zu erreichen und möglichst schon im Vorfeld eine Erhöhung des Erregungsniveaus zu verhindern. Spannungsgeladene Situationen sollen entschärft werden, ohne sich in einen Machtkampf zu begeben oder die Würde des behinderten Menschen zu verletzen. Die Erweiterung des Wissens der Mitarbeitenden für Ursachen und Funktionen von herausforderndem Verhalten, die Reflexion der verschiedenen Aspekte der Rolle von Mitarbeitenden sowie die Vermittlung von Prinzipien proaktiver Strategien und Handlungskompetenz in der Krise sind wichtige Ziele des Trainings.

Das Studio3-Training basiert auf einem nicht-aversiven Ansatz und wurde auf der Grundlage anwendungsbezogener Forschung entwickelt. Herausforderndem Verhalten wird auf sanfte und respektvolle Art begegnet. Dies ist besonders wichtig, da der Aufbau und die Pflege einer positiven Beziehung zwischen Klienten und Mitarbeitendem im sozialen Bereich Grundlage einer fördernden, konstruktiven und wertschätzenden Zusammenarbeit ist. Ein zentraler Aspekt der zugrundeliegenden Philosophie ist die Überzeugung, dass Mitarbeitende zunächst in der Lage sein müssen, mit dem Verhalten, das als schwierig erlebt wird, umzugehen und Situationen sicherer zu gestalten. Grundlegende Idee des Studio3-Trainings ist es, einen Ansatz zum personenzentrierten Umgang mit Krisensituationen zu vermitteln. Wichtige Elemente dieses Ansatzes sind

  • Reflexion der eigenen Arbeitsweise und des eigenen Verhaltens
    Ein besseres Verständnis für herausforderndes Verhalten und die Erkenntnis, an welchen Punkten Mitarbeitende unter Umständen selbst Teil des Problems sind, kann dazu führen, dass sie auch mehr Möglichkeiten haben zu erkennen, wie sie Teil der Lösung werden können.
     
  • Reduktion von Anforderungen in Krisensituationen
    Der Low Arousal-Ansatz - ein Ansatz, der ein niedriges Erregungsniveau anstrebt - beinhaltet auch die kurzfristige Reduktion von Anforderungen, denen Menschen mit Autismus und/oder geistiger Behinderung häufig ausgesetzt sind. Diese Reduktion kann dazu beitragen, spannungsgeladene Situationen zu entschärfen.
     
  • Ausschluss besonders restriktiver Techniken
    Studio3 strebt an, die am wenigsten restriktiven körperlichen Techniken zum Umgang mit herausforderndem Verhalten anzuwenden. Dazu gehört auch der definitive Ausschluss bestimmter körperlicher Techniken. Körperliche Techniken, die von Studio3 entwickelt wurden, folgen u.a. den Prinzipien von Sicherheit für Klienten und Mitarbeitende, Effizienz sowie sozialer Akzeptanz und spiegeln die Grundlagen des Low Arousal-Ansatzes wider.
     
  • Forschung zu Sichtweisen von Klienten in Bezug auf Techniken und den Umgang mit herausforderndem Verhalten
    Studio3 hat in der Entwicklung der körperlichen Techniken zum Umgang mit herausforderndem Verhalten in angewandter Forschung die Sichtweisen von KlientInnen untersucht und einbezogen (Cunningham, McDonnell, Sturmey & Easton, 2002).
     
  • Organisationaler Ansatz
    Die Umsetzung der Inhalte des Studio3-Trainingskurses beinhaltet häufig auch die Implementierung der Grundhaltung und Philosophie in ganzen Organisationen, die sich zum Beispiel in Richtlinien zum Umgang mit herausforderndem Verhalten widerspiegelt.
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Internationale Fachtagung

22.-23.05.2019

Autismus und Beziehungen - Unterschiedliche Perspektiven

Autism and Relationships - Different Perspectives

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.